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Nuku'alofa
Die Inseln vor Nuku'alofa
Jeden Tag legen im Hafen von Tonga zwei, am Sonntag sogar drei Ausflugsboote an, die in- und ausländische Touristen zu den vorgelagerten Inseln Tongatapus bringen. Sie fahren nach Atata, Fafa und Pangaimotu.

Wer in Nuku'alofa genug hat von Kirchengesängen, Strassenstaub, Hundegekläff, Autolärm, mottenden Abfallhaufen oder ganz einfach einmal einen Strand sehen möchte, der kommt gegen elf Uhr an den Kai hinter dem Aloha Faua Taxistand und besteigt eines der wartenden Boote.

Schmutzige Wäsche wird aus, saubere eingeladen, Kisten mit Wasserflaschen, frisches Gemüse und Früchte in einem Winkel des Schiffes verstaut und Treibstofffässer hin und her gerückt. Kleinbusse oder Taxis kommen mit erholungssuchenden Gästen über den staubigen Platz gefahren. Fragende Blicke. Welches Boot wohin? Hier das elegante segelbootähnliche hat einen Aufkleber an einem der Fenster "www.fafaisland.com". Jenes ist an der Seite mit "Pangaimotu" und "No Food or Beverages allowed" bepinselt. Und das mit den zwei grossen 100 PS-Aussenbordmotoren und dem grimmig dreinschauenden Skipper wird wohl zum Royal Sunset Resort auf Atata fahren.

Pünktlich um elf beginnt der Motor des Pangaimotu-Bootes zu tuckern und die Leinen werden los gemacht. Weisse Gischt schäumt am Bug auf und es wird Kurs auf die Hafenausfahrt genommen. Doch kaum ist die Mole erreicht fällt das Schiff, an Fahrt verlierend, wieder ins tiefblaue Wasser zurück und stoppt dann gänzlich. Der Bootsführer hält mit der einen Hand ein Mobiltelefon, mit der anderen das Steuer und schon wendet er das Boot und dümpelt langsam zum Kai zurück um auch die Passagiere des soeben von der Strasse in den Hafen einfahrenden Taxis noch mit an Bord zu nehmen.

Wenig später legt auch das mit einem Dutzend Chinesen aus dem International Dateline Hotel und weiteren Inselreisenden überfüllte Boot zum Royal Sunset Resort ab. Auch ich bin eine jener Royal Sardinen welche sich in diese gut motorisierte Dose quetschen. Das Gefährt liegt tief im Wasser und nur den ingeniösen japanischen Konstrukteuren ist es zu danken, dass die Motoren, welche durch den in schneller Fahrt in die Höhe gedrückten Bug noch tiefer im Wasser versinken, unbeirrt ihre 200 Pferde rennen lassen. Seitlich hinter uns zieht Nuku'alofa und die roten Dächer des Königspalasts von dannen, um alsbald nur noch als palmengesäumte graugrüne Linie im endlosen Pazifik zu liegen.

Vor uns tauchen in den glitzernden Fluten mehrere kleine Kokosinseln auf. Gespannter Ausdruck auf den Gesichtern - welche ist es? Welche ist Atata? Doch unverhofft stocken die treibenden Pferde, husten und bocken. Der Bootsjunge, der die Fahrt bis jetzt auf der Spitze des Buges und nach gefährlichen Riffen Ausschau haltend verbracht hat, hüpft behende ans Heck und beklopft die roten Benzinbehälter. Das Gewicht des einen wird geprüft. Leer. Aber schnell sind die verschiedenen Schläuche um gesteckt und die Pferde rennen vom frischen Futter gestärkt aufs neue los.

Atata ist eine kleine Insel mit netten, südseetauglichen, hellen Stränden und einem umlaufenden Riff das sie vor der andonnernden Wucht der pazifischen Brecher schützt. In der Mitte ein Dorf und am einen Zipfel ein etwas heruntergekommenes Resort. Sonntags wird ein Tagesausflug mit Mittagsbuffet und, für interessierte, ein Schnorchelfahrt zum Aussenriff angeboten.
Jetzt herrscht noch Flut. Es ist also plantschen und schwimmen angesagt, bevor der Strand bei Ebbe zu einem dunkelgrünen Seegrasfeld verkommt. So plantsche und bade ich und hole mir den ersten Sonnenbrand.

Wie von Zauberhand gerührt beginnen mit einem Mal alle Besucher in die selbe Richtung zu schreiten. Ohne irgend ein Signal haben alle bemerkt, dass am Buffet etwas zu holen ist. Salat aus rohem Fisch, geraspelte Möhren, Paprikastreifen und allerhand Gebratenes von Grill. Eine interessante Minz-Öl-Sauce verfeinert den Salat und alle sitzen glücklich schmatzend unter dem schattenspendenden grossen Dach.

Die Reste des Buffets werden inzwischen abgeräumt und elf Chinesen bespritzen sich am kleinen Pool kreischend mit Wasser. Einer macht Fotos fürs gemeinsame Fotoalbum. Vier aufmerksame Gäste bemerken gegen zwei Uhr ein kleines Fischerboot am Steg. Das wird es sein. Schnell Brille und Schnorchel gepackt und über den heissen Sand und die Holzplanken zum Boot geeilt. Ja, es geht zum Aussenriff und zu den Korallengärten mit ihren schillernden, gestreiften, glänzenden oder grau grummelnden Bewohnern.

Am abend, mit feurigem Rücken im Bett, schwimmen mir so manche der kleinen Fische nochmals durch den Kopf, nicken mir Palmenblätter vor blauem Himmel zu und erzählt mir der rot blühende Hibiskus die Geschichte, wie einst Maui auch diese Insel aus den Fluten hob.

Dieser Text stammt ursprünglich vom 16.09.2006
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© Manuel Rüetschi - Zuletzt aktualisiert 19.05.2008 Kontakt | Sitemap | Impressum |