In Tonga ist es wichtig gut angezogen zu sein. In diesen Tagen, heute Mittwoch soll der verstorbene König in seine Heimat überführt werden, gilt dies besonders. Nach drei Tagen Putzen, Fegen und Aufräumen ist Nuku'alofa nun bereit den sterblichen Überresten des Königs einen gebührenden Empfang zu bereiten.
Ist die traditionelle Kleidung in Tonga auch normalerweise schon viel dunkler als in den umliegenden Inselstaaten, wo oft farbige Lavalava um Frauen- wie Männerhüften geschnürt werden, ist jetzt fast nur noch schwarz auszumachen.
Da den wenigsten Lesern geläufig sein dürfte, was hier unter "anständig angezogen" gemeint ist, hier ein kleiner Schnellkurs zum Thema:
Die Dame trägt einen Rock und eine Bluse, farbig oder dunkel, je nach Geschmack. Der Rock hat die Knie zu bedecken. Für den Herrn ist ein Wickelrock, auch in angemessener Länge, in dunkelblau, dunkelgrau oder schwarz, selten weiss oder beige, angebracht. Den Oberkörper kleidet ein T-Shirt oder Hemd. Die Schuhe sind unwichtig. Man trägt Flip-Flops, Sandalen oder geht barfuss, ganz nach belieben.
Aus aktuellem Anlass ist farblich schwarz zugelassen. "Keine dunklen Farben, sondern wirklich nur schwarz", höre ich den Leiter der Neuseeländischen Botschaft am Nebentisch im Friends Cafe, als Order für die offiziell geladenen Gäste aus seinem Land, ins Mobiltelefon sprechen.
Für tongaische Verhältnisse sind wir nun in etwa gekleidet wie wenn wir im Westen einen Anzug trügen. Eine Kravatte haben wir noch nicht. Diesen Status trägt hier eine Matte, die mit Hilfe einer Kordel um die Hüften gebunden wird. Sie ist für Frau wie Mann gleichermassen kleidsam. Anstelle der Matte kann auch ein rockähnliches Kleidungsstück aus hängenden Baststreifen getragen werden, oder beides gleichzeitig. Alter und Zustand von Matten und Baströckchen sind unwesentlich bzw. ihr Alter eher Ausdruck von Würde. Bild 1 zeigt zwei perfekt gekleidete Bewohner Nuku'alofas. Wenn nun jemand denkt es handle sich bei beschriebener Kleidung um eine Sonntagstracht, ein Modell aus dem Heimatmuseum oder sei nur für ältere Leute schicklich der irrt gewaltig (Bild 2 und Bild 3). Nicht dass jedermann jederzeit derartig gekleidet ist, aber in der Schweiz trägt man ja auch nicht immer einen Anzug.
Die Strassen der Hauptstadt sind über Kilometer gesäumt mit am Boden hockenden Menschen jeden Alters, welche auf den Einzug ihres verblichenen Monarchen warten, um ihm die Ehre zu erweisen (Bild 4). Auch ich habe meinen vor einigen Tagen erstandenen schwarzen Rock und ein passendes Hemd angezogen und mich unter die Menge gemischt. Von weit her klingen die schweren, langsamen Töne der Blaskapelle, welche gemessen vor dem Fahrzeugkonvoi daher schreitet. Und schon sind die blitzenden Instrumente und die Fahnenträger sichtbar. Dahinter der Wagen mit dem in viele Tapas gewickelten Sarg.
Nun wird in Tonga 30 Tage lang am Radio nur bedächtige Musik zu hören sein. Die Untertanen werden so schwarz wie heute angezogen sein (Bild 5), Nachtclubs, Bars und Discos werden geschlossen bleiben und im Kulturzentrum werden in dieser Zeit keine Tänze zu sehen sein. Tonga trauert.
Auf dem Weg aus der Stadt nach Tofoa wendet sich ein jüngerer Mann zu mir, "Danke, dass Sie sich auch ganz schwarz angezogen haben".