120'000 Personen haben von Freitag bis Sonntag das traditionelle Unspunnenfest in Interlaken im Berner Oberland (Schweiz) besucht.
Tonga hat 120'000 Einwohner. Davon sind etwa 98 Prozent Polynesier. Das bedeutet nicht viel, sind doch in Tonga polynesische Kultur und Denkensart fast gänzlich ausgestorben. Maui, der polynesische Halbgott und mythologische Kulturstifter, ist in Tonga höchstens dem Tourismusminister und ein paar Reiseführern, die den Namen aus dem Text den sie interessierten Reisenden vorbeten kennen, ein Begriff. Alle anderen denken es handle sich um eine neue Shampoo-Marke oder das Maskottchen der samoanischen Rugby-Mannschaft.
Der Legende nach hat Maui die Inseln Tongas mit Hilfe eines magischen Angelhakens aus den Fluten gezogen, um sich mehr Platz zum Leben zu schaffen.
Von den 120'000 Menschen in Tonga zählen sich 49'560 zu Anhängern der Free Wesleyan Church (41,3 %), 19'080 bekennen sich zur Römisch-Katholische Kirche (15,9 %), die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) kann mit 16'560 Gläubigen (13,8 %) rechnen und die restlichen 34'700 besuchen Kirchen der Free Church of Tonga, der Tokaikolo Christian Church oder der Siebenten-Tags-Adventisten. 10 Einwohner (meine Schätzung) ignorieren Sonntags das Rufen der Kirchen und schlafen einfach mal ein wenig länger.
Diese zehn interessieren uns im Moment nicht, obwohl es sicherlich die Interessantesten wären.
Samstag nachts um zwölf beginnt der Sonntag. Und der Sonntag ist der Tag des Herrn. Am Sonntag fahren keine Busse, es gibt keine wartenden Taxis (telefonisch bestellen kann man sie jedoch), Sport ist verboten, arbeiten sowieso, die meisten Restaurants haben geschlossen und auf einigen Inseln (wie z.B. Mango) ist selbst das Telefon abgeschaltet.
Man geht in die Kirche, man singt und betet, dann geht man nach hause und isst und ruht. Akustisch ist der Sonntag ein sehr angenehmer Tag. Als erste erwachen die Hähne und teilen dies krähend mit. Hat erst einmal ein besonders mutiger Frühaufsteher damit begonnen, läuft das Krähen wie Wellen durch die Gärten. Gegen 4:45 beginnen die ersten Kirchen nach ihren Gläubigen zu rufen. Sie tun dies, indem zwei gekerbte Holzbalken gegeneinander geschlagen werden (das ist die traditionelle Art), indem man an eine aufgehängte, unten aufgesägte, leere Gasflasche schlägt (die moderne, kostengünstige Variante) oder mit einer Kirchenglocke (ultramoderne, teure, "wir sind auch wie die Weissen"-Methode). Wenn man dann am Morgen durch die Quartiere spaziert schallen aus verschiedenen Richtungen befeuernde Predigen oder sanfter Südsee-Kirchengesang. Dazwischen quieken und grunzen die Schweine an den Strassenrändern und in den Gärten kläffen die Hunde. Wenig später wird der ganze Zauber durch den raschelnden, warmen Ostwind davongetragen und das Plätschern eines kräftigen Regens nimmt seine Stelle ein.
Die Kirche an unserer Strasse ist eine kleine Holzbaracke welche etwa 30 bis 40 Gläubigen Platz bietet. Hinter dem Ambo hängt eine kitschige Wanduhr aus goldverziertem Plastik und ein Poster das eine schmachtenden Christusgestalt zeigt. Jeden Abend treffen sich hier ein Dutzend Dorfbewohner um unter Leitung eines des Gitarrenspiels mächtigen Lieder und Gesänge zu üben. Das klingt jeweils sehr schön und einladend. Das gefällt auch einem Kleinkind das tapsend zur Kirche läuft um später auf dem Boden herum kriechend an der Veranstaltung teil zu nehmen. Ein Hund, dem der Einlass in das Gotteshaus verwehrt wurde, legt sich auf die Treppe vor der Kirchentür, welche sich lässig vom Wind hin und her stossen lässt. Insgesamt eine recht gemütliche Szene, die neben mir auch noch ein Schwein anzieht, das eingelullt vom heilig heiteren Gesang ein wenig in einer Pfütze wühlt.