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Wale watschen und swimmen
Nach Vava'u kommt man um Wale zu watschen oder Wale zu swimmen. Und alle Besucher Tongas gehen nach Vava'u. Jeder weis das, jeder tut das.

Die Inseln von Vava'u liegen im seichten, warmen Wasser, ruhig vor sich hin dümpelnd. Darin ziehen unzählige Wale singend ihre Jungen auf. Springend und plantschend tanzen die Tiere vor ruhig staunenden Touristen und verteilen Prospekte über Artenschutz und Ökologie. Am Abend gehen die Tonganer beten und die Touristen träumen. Die Tonganer beten für ein sauberes, fischreiches Meer und die Touristen träumen von den Walgesängen und vom Frieden zwischen Mensch und Tier.

Falsch.

Nach Vava'u kommt man um "Whale watching" oder "Whale swimm" zu erleben. Das ist eine ganz erhebende "experience" für Leute die jede andere "experience" schon konsumiert haben. Am Abend geht man dann Lobster essen. Dieser "experience" ist man eigentlich schon überdrüssig, aber wenigstens ist Lobster in Tonga billig. So kann immerhin jeder sehen, dass man weis was gut und teuer ist, oder wenigstens wäre. Natürlich wäre es viel schöner, wenn einem dabei die Leute von Sidney, New York oder London neidisch zuschauen könnten, weil da ist Lobster im Restaurant wirklich teuer. Was man selbstverständlich nicht wissen möchte, ist, dass sich die Lobsterpopulation in erschreckender Geschwindigkeit Richtung gefährdete Art bewegt. Aber Lobster singen ja auch nicht.

Die Inseln hier sind hüglig und fallen teilweise recht steil ins Meer ab. Die Sicht auf die Lagunen und Buchten ähnelt in gewisser Weise einem Blick auf den Vierwaldstättersee, nur dass dieser hier kein Ende hat. Dass da kein Platz für Strände bleibt ist leicht verständlich. Nun gehören aber weisse Palmenstrände zum unentbehrlichen Bestandteil einer Südseereise!
Dies mag einer der Gründe sein weshalb sich die durchschnittliche vava'usche Touristenschar in einer gewissen frustrierten Verstimmung befindet (Ich gehöre auch dazu). Irgendwann sind nämlich alle Wale gewatscht und man möchte sich zur Entspannung gerne auf einer schmucken Strandliege unter kühn geschwungenen Kokospalmen die Haut bräunen lassen. Nur dazu gibt es hier nicht wirklich viele Möglichkeiten. Eine Variante wäre, das Umfeld ignorierend, sich einfach auf eine von Vava'u's schmutzigen Strassen zu legen. Doch diese Lösung erscheint auf Dauer doch irgendwie unbefriedigend.
Als andere Variante böte sich an, einen Bungalow in einem der weit vom Zentrum entfernten Resorts zu mieten. Die jeweils halbstündige Boots- oder Taxifahrt nach Neiafu, dem Hauptort Vava'u's, könnte man ja als touristische Attraktion verbuchen. Da würde man also zum Beispiel im Vava'u Super Beach Resort in einer von einem Deutschen geführten Strandhüttensiedlung unter Palmen in der Sonne liegen. Wenn es denn nicht regnet. Aber nehmen wir für einmal optimistisch an, es regne nicht. So liesse man sich halb dösend, halb einen tropischen Drink schlürfend den Ranzen wärmen lassen und den Blick über hellblaues Wasser und nobel bleichen Sand gleiten lassen. Doch, oh Schreck, wo ist das laue, lockende Nass geblieben? Ebbe. Wo eben noch verheissungsvoll die von der Kokosöl-Sonnencreme-Werbung beschworene Traumstrandstimmung herrschte liegt jetzt eine modrig unter der brütenden Sonne faulende Seegrasfläche. Also, husch ins Bungalow, wo einem wenigstens die Sicht auf die schleimigen Eingeweide des Meeres genommen ist. Man könnte jetzt der Idee verfallen die Zeit bis zum Erscheinen der nächsten Flut durch das Hinunterregeln der Klimaanlage tiefgefroren zu verbringen. Aber das ist nun wirklich keine Lösung.

In Tat und Wahrheit wurde die Lösung von findigen und geschäftstüchtigen Geistern längst gefunden. Die Lösung heisst Action! Im Motorboot durch die Wasserwelt jagen, eine hübsche Segelyacht oder einen spritzigen Wassertöff mieten. Knatternd in kleinen vierrädrigen Offroadmobilen durch Hügel tollen oder mit heulenden Scootern über die Insel flitzen um zu vergessen, das es auf Vava'u und eigentlich in ganz Tonga keine Sehenswürdigkeiten gibt, die des Sehens würdig sind. Die einzige wahre Attraktion, nämlich die wirkliche hübsche Landschaft, kommt so leicht ein wenig unter die Räder. Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr zum schreiben ich muss noch vor 12:00 beim Roller-Verleih sein - Ölkontrolle.

Dieser Text stammt ursprünglich vom 30.09.2006
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© Manuel Rüetschi - Zuletzt aktualisiert 19.05.2008 Kontakt | Sitemap | Impressum |