Als Tapa bezeichnet man in Polynesien und Melanesien Stoffe, die aus Rindenbast hergestellt werden. Das Ausgangsmaterial stammt hauptsächlich vom Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera aus der Familie der Moraceae), aber auch von verschiedenen anderen Baumarten. Die Rinde der Bäume wird grossflächig abgezogen und der unter der äusseren Borke liegende Rindenbast abgelöst. Danach werden die Baststreifen gewässert und mit einem hölzernen Schlegel auf einem flach geschliffenen Stein oder einem Holzbrett in die Breite geklopft. Durch das Schlagen vergrössert sich nicht nur die Oberfläche, sondern die Fasern werden auch miteinander verfilzt, sodass ein fester Stoff entsteht. Die einzelnen Bahnen werden durch weiteres Schlagen miteinander verbunden oder mit Latex des Gummibaumes verklebt. Die Tapa-Stoffe werden dann schwarz-weiss oder farbig mit traditionellen Motiven bemalt und ggf. erhabene oder vertiefte Muster mit Schablonen eingeprägt.
Tapa wird in der Südsee nicht nur zu traditionellen Kleidungsstücken verarbeitet, sondern auch vielfach anderweitig genutzt, ähnlich wie bei uns textiler Stoff. Schlafunterlagen, Vorhänge, Decken und andere Heimtextilien bestehen häufig aus Tapa-Stoffbahnen. In Polynesien werden Tote zur Aufbahrung in verzierte Tapa-Stoffe gehüllt. Wertvolle Geschenke werden in Tapa-Hüllen verpackt überreicht. Auf Vanuatu sind verzierte und bemalte Tapa-Gürtel traditionelle Rangabzeichen von Würdenträgern.
Aus der Spätphase der Osterinsel-Kultur sind menschliche oder anthropomorphe Figuren bekannt, hergestellt aus einem Gerüst aus elastischen Zweigen, mit Totora-Schilf ausgepolstert, mit Tapa-Stoff bezogen und bemalt. Es gibt Berichte über mehr als vier Meter hohe Tapa-Figuren, die in Prozessionen vorangetragen wurden.
Eine relativ neue Einkommensquelle auf verschiedenen Südsee-Inseln sind Tapa-Arbeiten als Souvenirs für Touristen.